Monday, May 16, 2011

Schwäbische Ökodiktatur! Nur noch Vollkornspätzle!

Gutes altes Ökobashing auf faz-online, hat fast schon Satirequalitäten: "Die grüne Revolution. Die herzliche Ökodiktatur". Du liebes bissle, da hat einer aber einen wirkichen Horror vor den Ökos! Wollen die uns doch glatt unseren Mercedes S-Klasse und den grünen Spargel aus Chile wegnehmen, die Saukerle! Wie man so viele Anti-Öko-Klischees in einem Artikel unterbringen kann, ist fast schon wieder bewundernswert. Irgendwie wirkt da Hans von Storchs in anderem Kontext eigentlich richtiger Kommentar, dass es neben dem Kohlenstoff ja auch noch den Welthunger gäbe, der aber leider keine Konjunktur habe, seltsam verloren und deplaziert. Zumal der Welthunger durchaus Konjunktur hat, leider Gottes - es ist die Kritik am Welthunger, die im Gegensatz zu der am Klimawandel keine Konjunktur hat. Aber bei so einem Wutartikel (wie man derzeit wohl sagt) kommt es dann auf solche Feinheiten und korrektes Zitieren auch nicht mehr drauf an.

31 comments:

Anonymous said...

Der Artikel mag etwas überzeichnen, aber im Kern ist er vollkommen richtig. Der Tenor des Kommentars von Herrn Krauss zeigt, welcher Denkschule die Klimazwiebel letztlich doch zuzurechnen ist. Wie honest kann ein solcher honest broker sein?

Freddy Schenk said...

... Satire, die einem im Hals stecken bleibt. Der Artikel steckt voller Widersprüche, die aber scheinbar typisch für einige Zeitgenossen sind, die für sich in Anspruch nehmen, die "freiheitliche" (Selbst-)Verwirklichung in unserer Gesellschaft verteidigen zu müssen.

Dabei scheint man stark vereinfacht zwei Typen und deren Motivation unterscheiden zu müssen, die diese „Freiheit“ verteidigen wollen: die Freiheit im demokratischen Sinne (Legitimation) und die individuelle wie ökonomische Freiheit (Egoismus).

In Skeptikerforen im StudiVz habe ich seit 2005 hunderte Beiträge genau in diesem Duktus des oben genannten Artikels der „Egoisten“ gelesen, die in jeglichem Klima- oder Umweltschutz einen Angriff auf die Freiheit des Bürgers sehen, letztlich aber v. a. ihren privaten Komfort meinten. Typisches Beispiel war hier ebenfalls der S-Klasse Mercedes, den man dem Bürger madig machen wollte.

Hier stellt sich dann (stellvertretend für ähnliche Beispiele) die Frage: Wie viele Bürger fahren überhaupt S-Klasse? Und stört diese überhaupt eine Verteuerung/Strafe ökonomisch? Eher nicht. - Aber moralisch droht ihnen ggf. Verachtung als Klimasünder!

Ich habe über die Jahre den Eindruck gewonnen, dass öffentlich die ökonomische Freiheit der Bürger und Unternehmen verbal verteidigt wird gegen die „Ökodiktatur“ und deren (unnötige) Kosten. Die eigentliche Sorge gilt aber insgeheim vielmehr der Verteidigung des eigenen Luxus im Sinne moralischer Rechtfertigung gegenüber der größer werdenden Gruppe der „Ökoterroristen“. Letztlich ist also gar nicht die (oft geringe) Verteuerung von „Umweltsünden“ (das dicke Auto!) der lautstark beklagte Freiheitsentzug, sondern eher die moralische Brandmarkung oder das (oktruierte) schlechte Gewissen.

Kann man daraus die Hypothese ableiten, dass die – aktuell - hier beklagte „Ökodiktator“ v. a. eine moralische Tyrannei der Mehrheit (! – laut Artikel) gegenüber einer (meist eher rein ökonomisch orientierten?) Minderheit ist und (bisher) viel weniger eine ökonomisch-fiskalische?

Zumindest in den beiden Skeptikerforen im StudiVz habe ich mir mal die Mühe gemacht, die Fachstudienrichtung der knapp 220 Studenten in diesen Foren zu ermitteln: Wie der Autor des vorliegenden Artikels hatten über 70% einen ökonomischen Bezug (v. a. BWL, sonst mit VWL, Wirtschaftsingenieur etc.) und weniger als 5% einen naturwissenschaftlichen Hintergrund, wobei keiner der letzteren ein echter Skeptiker war. Hauptsorge waren die Kosten und die Beschneidung des eigenen (v.a. zukünftig erwarteten) Komforts durch den ungerechtfertigten Klima-/Umweltschutz der „Ökoterroristen“.

Disclaimer: Der Typus "Egoist" ist hier der Einfachheit halber überzeichnet dargestellt und nicht notwendigerweise nur negativ wertend.

ghost said...

@Werner
als erstes muss ich mich bei ihnen entschuldigen... wenn sie von "allen Seiten" als "nicht honest" bezeichnet werden (z.B. auch von mir), dann scheinen sie doch was richtig zu machen.

Machen sie ruhig weiter so (wenn ich so anmaßend sein darf). Sie regen mich manchmal so maßlos auf. Das hilft irgendwie. Vor allem wenn dann Blogger.com down ist und ich nicht sofort Kommentare schreiben kann. :)

zum Thema: Grünen-Bashing ist im Moment in der Mode und auch die seltsame Vorstellung davon, was eine Diktatur ist. Naja, die letzte in D ist nun über 20 Jahre her, da fehlt vielleicht das Bewusstsein dafür. Was mich aber wirklich dabei erstaunt, ist, dass die Grünen eigentlich nur das machen, was sie immer sagten, vielleicht sogar in einer sehr abgeschwächten Realo-Form. Sie blieben sich mehr oder weniger halbwegs treu. (Klar, Götter sind sie nicht, der Spiegel war ja auch mal wieder sehr "investigativ" und fand doch 4 Grüne Lobbyisten, OMG, shocking). Die Grünen kommen aus Bürgerbewegungen und zeigen es immer wieder, dass ihrer Spitze so richtig weh tun können. Ich denke, wenn Grün-Rot wirklich die Grundlagen für mehr sinnvolle Bürgerbeteiligung schafft, dann haben sie alle Versprechen erfüllt.


Und nun noch der Vergleich zu CDU/FDP: man sollte doch nur mal vergleichen, was die vor einem Jahr und nun zur Kernkraft sagen. und was sie in 3 Monaten wieder sagen werden. Das ist doch Schwachsinn und Unehrlichkeit pur. Krass, dass gerade deren Fans ihre Frustration an den Grünen ausleben.

Oder was die zu Guttenberg sagten, wie sie jeden beleidigten, der es wagte Guttis Verhalten zu kritisieren. Insbesondere die FAZ wurde heftig von den C(D)SU-Granden angegriffen. Irgendwie lustig, aber ich frag mich schon, ob da nicht ein wenig die Wahrnehmung der Realität verschoben ist...

Anonymous said...

Ich schließe mich mich Anonymous an und danke für das unnötige Löschen meines Postings.

W.v.B.

Hans von Storch said...

WvB/4 - ist dort ein Kommentar verschwunden? Ich verstehe den "Dank" für das "unnötige Löschen" nicht.

Werner Krauss said...

@anonymous #1
Vielen Dank für die Blumen!In der Skeptikerecke, in die ich neulich gestellt wurde, gefiels mir nämlich gar nicht.

Mal ernst: der Artikel ist im Kern faul. (Fast) jedes einzelne der dort aufgeführten Argumente (bzw. die Vorfälle, die dahinter stehen) verdienten einer Diskussion - da bin ich völlig einverstanden. Aber einer eigenen Diskussion. Umlagen von Klimaschutzmaßnahmen auf Mieter ist eine Sache, Atomkraftwerke abschalten eine andere; weniger Autos ist eine Baustelle, auf Schellnhuberleggewieundjetztauchnochmerkel draufhauen eine andere.

Alles in ein Paket packen und draufhauen dagegen endet in Verschwörungstheorie und schlechtgelauntem Stammtischgebrabbel.

Werner Krauss said...

@ghost
Dass der server manchmal down ist, das ist wirklich ärgerlich. Immer gleich kopieren, kann ich nur empfehlen, dann kann mans später nochmal versuchen. Mir sind auch schon einige Beiträge in letzter Zeit abgeschmiert, und ich weiß nicht, warum. Irgendwie lebt man doch noch in der Steinzeit, digital science hin oder her.

Rainer S said...

Lieber Herr Krauss,

könnten Sie bitte kurz ausführen, welches Problem Sie mit dem FAZ-Artikel von Herrn von Petersdorff im Detail haben?

Dass hier in einer Tour-de-Force Aspekte aneinandergereiht werden, die locker jeweils einen eigenen Tageszeitungsartikel wert wären, kann es ja eigentlich nicht sein.

Derartiges - nur von der anderen Seite - bieten uns unsere Medien von taz und FR über SZ und Spiegel jede Woche dutzendfach - von den Beiträgen mancher unserer ÖR-Fernsehjournalisten mal ganz zu schweigen.

Regt Sie das auch auf? Und wenn ja, warum dazu keine Postings?

Anonymous said...

Ich kann die Tirade im Blog-Post über den FAZ-net-Artikel im Moment nur zum Teil nachvollziehen:

Wie lautete das korrekte Zitat von Hans von Storch?

Wenn der Kontext des "Zitats" nicht der vollkommen unbescheidene, globokratische "Entwurf" des „Gesellschaftsvertrag[s] für eine Große Transformation“ war, welcher Kontext war es dann?

Zu Kommentar Nr. 6:

"[...] auf Schellnhuberleggewieundjetztauchnochmerkel draufhauen [...]"

Sollen Schellnhuber und Leggewie vielleicht als zwei der wesentlichen "Frontpersonen" diese "Papiers" nicht genannt werden (Ich sehe nicht, wo der Autor Winand von Petersdorff (irgendjemanden) "gehauen" haben soll.)?

Noch eine wichtige Frage: Warum wird Winand von Petersdorff vorgeworfen, er haue auf Merkel 'drauf?

"Alles in ein Paket packen und draufhauen dagegen endet in Verschwörungstheorie und schlechtgelauntem Stammtischgebrabbel."

Werner, das antworten Sie allen Ernstes Anonymous#1, nachdem es ghost war, der hier "die", ja "die", und "sie" (gemeint ist die CDU/FDP/CSU) alle vorverurteilend als schwachsinnig, unehrlich und (zum Beispiel Lammert vergessend) als ein wenig realitätsfern bezeichnet?

Dabei dreht sich diese Diskussion wohl nicht um den anscheinend älteren Blog-Post (http://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:7i1_Tkx8fEMJ:klimazwiebel.blogspot.com/2011/05/schwabische-okodiktatur-ganzjahrig.html+site:klimazwiebel.blogspot.com+Leggewie&cd=1&hl=de&ct=clnk&gl=de&client=firefox-a&source=www.google.de), der offensichtlich gegen den aktuellen Blog-Post ausgetauscht wurde, und der die "Verschwörungstheorie" beinhaltete:

"Mit einer solchen Verve, dass der Verdacht aufkommt, der Verfasser Winand von Petersdorff könnte ein Pseudonym eines Autors der satirischen Zeitschrift Titanic sein, der sich hier eingeschmuggelt hat."

Zum Totschlag- und Kleinredeargument "Verschwörungstheorie" (Ebenso an die Anwender des Begriffs Climategate-"Hack" - also zu denjenigen, die die Vorfälle nicht Aussitzen, Totschweigen, Verschleppen wollen): Dazu habe ich an anderer Stelle noch eine Bemerkung angebracht, die noch darauf wartet, durch einen SySop freigeschaltet zu werden (siehe: http://klimazwiebel.blogspot.com/2010/02/climategate-revisited-2-remarks.html) (Im Wesentlichen schreibe ich dort das, was ich auch schon an anderer Stelle schrieb: http://klimazwiebel.blogspot.com/2011/04/interview-mit-rahmstorf-brasseur-und.html?showComment=1302964448589#c5016622924862490740).

(Ich bin nicht Kommentator Nr. 1.)
namenlos

Reiner Grundmann said...

Werner:
"Alles in ein Paket packen und draufhauen dagegen endet in Verschwörungstheorie und schlechtgelauntem Stammtischgebrabbel."

Ich lasse mal beiseite wer sich hier am meisten aufregt ;-)

Was der FAZ Artikel gut beschreibt sind die Schwierigkeiten, denen sich eine konsequente grüne Energiepolitik gegenübersieht. Die Stuttgarter Regierung weiss, dass sie die Wirtschaftsunternehmen bei Stange halten und die Quadratur des Kreises vollbringen muss: die Hoffnungen der eigenen Basis auf möglichst schnellen Umstieg auf erneuerbare Energien vereinbaren mit Energiesicherheit und Erschwinglichkeit. Der FAZ Artikel liefert ein Kompendium an möglichen Gegenargumenten. Man sollte ihn ernst nehmen und nicht als "Ökobashing" abtun.
Der Artikel wirft ein Schlaglicht auf die Spannung zwischen demokratischen Prinzipien und "ökologischem Sachzwang", das haben wir hier auf der Zwiebel einige Male diskutiert. Und ehrlich gesagt, Werner, ich kann mich nicht erinnern, dass du dich im Namen des Sachzwangs verwehrt hast.

fmassen said...

Ich teile die Kritik am FAZ-Artikel ueberhaupt nicht. Mag sein dass die Feder manchmal etwas spitz formuliert, aber im Grossen und Ganzen scheint mir der Artikel eine real ablaufende Entwicklung in Deutschland zu beschreiben. Es geht hier nicht um S-Klasse, sondern um das Vorschreiben einer bestimmten Lebenseinstellung die als einzige richtige und moralisch einwandfreie gesehen wird und also zwangsweise eingefordert wird.

Werner Krauss said...

Liebe Leute,
da hilft kein jammern und kein rumargumentieren. Ihr habt nunmal verloren und werdet jetzt umerzogen, tut mir leid. Hier das Rezept fuer morgen:

500g Vollkornmehl
Vollmeersalz
bissle Muskat
4-5 Eier
viel kochendes Wasser

Teig machen, und dann drucka, schaba, oder reiba - jedes, wies kann.

Zwiebele braten, bissle Käs zwischenrein, und ein Salat dazu.

Dazu ein Viertele (oder zwei, ist ja Samstag) und hinterher weiter auf der klimazwiebel schimpfen!

Werner Krauss said...

Nachtisch:

Ich mache mich hier nicht über die Argumente lustig, die in den vorigen comments gemacht wurden; ich bin nur der Meinung, dass man auf eine Polemik durchaus polemisch antworten sollte, sonst kommt man nämlich in Teufels Küche und da nicht leicht wieder raus.

Ein Artikel, der damit anfängt, dass der Kretschmann "die Gottesformel" spricht und dann hinterher mit Ökodiktatur, Umerziehung, Ökoterror usw. aufzufahren, ist eindeutig eine Polemik.
Und genau diese Rhetorik setzt den Rahmen. Der Kretschmann wird hier mal eben so als der leibhaftige Teufel dargestellt, nicht mehr und nicht weniger. Diese kleinen rhetorischen Finessen machen hier die Musik, nicht die vermeintlich "sachlichen" Argumente.

Von daher geht es um den Stil der Auseinandersetzung, nicht um den Inhalt derselben. Argumente stehen nämlich nie einfach so rum. Daher meine Formulierung, dass der Autor einfach alles in einen Sack steckt und draufhaut, wie im Kapserletheater.

Es geht hier aber vielleicht gar nicht um Gut gegen Böse, Diktatur gegen Freiheit, Gott gegen Teufel - sondern wir haben demokratisch beschlossen, eine Energiewende in Gang zu setzen und werden dabei viel zu tun (und zu diskutieren) haben.

Anonymous said...

Ich kann meinem Landsmann Massen nur zustimmen. Uns Luxemburgern ist es kaum verständlich wieso sich die Menschen in Deutschland so sehr von einer grünen Lobby beeinflussen lassen.

Man fragt sich vor allem wer daran Schuld ist, dass viele Naturwissenschaftler Wissenschaft und grünen Lobbyismus offenbar kaum noch unterscheiden können.

Andere m.E. dringendere Probleme werden jedoch hartnäckig ignoriert.

Anonymous said...

@ Werner Krauss

"... sondern wir haben demokratisch beschlossen, eine Energiewende in Gang zu setzen und werden dabei viel zu tun (und zu diskutieren) haben."

Ach Herr Krauss, wenn Sie schon Foucault lesen, sollten Sie auf Chomsky auch zurückgreifen. Wie ein Konsens in demokratischen Gesellschaften zustande kommt hat nun einmal mit dem was ich und im Regelfall "man" unter Demokratie versteh(e)t wenig am Hut - klingt komisch, ist aber so :)

Und, wer ist "wir"? Die Medienagenturen? Die Kapitalisten, welche nun den grünen Sektor für sich entdeckt haben?

Mahlzeit!
W.v.B.

Anonymous said...

Werner: "Ihr habt nunmal verloren..."

"Ihr"? Das ist absurd.

"Alles in ein Paket packen und draufhauen dagegen endet in Verschwörungstheorie und schlechtgelauntem Stammtischgebrabbel (siehe oben)."

Ich hoffe -- auch wenn der Zeitgeist (Petersdorff verwendet diesen berühmten Herderschen Begriff in dem zur Diskussion stehenden FAZ-net-Artikel) diese Feinheiten verachtet -- noch auf eine Antwort auf den Kommentar bzw. die Fragen in Nr. 9. Sie schrieben doch oben: "Mal ernst..."

Mehr absurdes Theater? Siehe Eugène Ionesco (nicht zu verwechseln mit der UNESCO): Die Nashörner. Der Protagonist des Dramas ist Behringer, und "Behringer ist das, was Ionesco später 'Helden der Arrièregarde' genannt hat, die sich bösem Fortschritt, verhängnisvollen Entwicklungen entgegenstemmen, die am Platz bleiben, 'Mensch' sind und nicht 'neuer Mensch' werden, gegen Zukunftsglauben als Aberglauben. Die Metamorphose 'vom Schmetterling zur Raupe', vom fliegenden zum trampelnden Wesen, vom träumenden Einsamen zum grunzenden Herdentier wird verweigert... Ionesco hat die Ausbreitung des politischen Fanatismus wie die einer Epidemie in seinen Tagebüchern der Bukarester Zeit verzeichnet... (Francois Bondy)".

Ionesco: "J'ai toujours pensé que le collectivisme, le totalitarisme et la camaraderie politique ne pouvait absolument rien resoudre." (Zitiert nach Eva Pfister, Deutschlandradio Kultur, "Parabel über den Konformismus", 31.10.2009.)

(Übersetzt in etwa: Ich dachte immer, dass der Kollektivismus, Totalitarismus und politische Kameradschaft nichts lösen konnte.)

namenlos

Werner Krauss said...

@fMassen #11 und anonymous #14

Natürlich kann man gegen die Politik der Grünen sein. Allerdings, fmassen, wurden die Grünen an die Regierung gewählt. Von "zwangsweise einfordern" kann hier keine Rede sein - es sei denn, dass Sie jegliche Form parlamentarischer Demokratie etc ablehnen. Den Grünen kann man nun mal wirklich nicht vorwerfen, dass sie nicht vorher sagen würden, was sie vorhaben. (Viel eher könnte man ihnen vorwerfen, dass sie sowieso nicht einhalten, was sie vorher angekündigt haben).

Und anonymous, ist es möglich, dass "ihr" in Luxemburg womöglich einfach immer denkt, dass die Deutschen gerade von irgendeiner Lobby beeinflusst werden? Könnte ja sein - man findet ja gerne über negative abgrenzung zum Nachbarn zu sich selbst...

Freddy Schenk said...

fmassen schrieb:
Es geht hier nicht um S-Klasse, sondern um das Vorschreiben einer bestimmten Lebenseinstellung die als einzige richtige und moralisch einwandfreie gesehen wird und also zwangsweise eingefordert wird.

Genau wie ich ganz oben geschrieben hatte - es geht eigentlich nicht um die meist geringe Verteuerung unseres Luxus (der S-Klasse), die lautstark beklagt wird, sondern um die moralische Ächtung gewisser Lebensstile.

Ich sehe in dieser starken Einflussnahme auf den Lebensstil eine Vorstufe zur Erlangung einer hegomonialen Struktur eines zunehmenden Teils der Politik im Sinne der Regulationstheorie (Wiki): "Die sich historisch nun jeweils herausbildende konkrete Verbindung von Akkumulations- und Regulationsweise – also die Art der Verwertung des Kapitals und der Art, wie diese Verwertung politisch und ideologisch gesichert wird...".

Der Kampf hat erst begonnen... Ist doch klar, dass sich die betroffenen Lebensstilgruppen nicht wehrlos ergeben. Der FAZ-Artikel ist ein guter Ausdruck dessen - auch wenn man jedes einzelne Argument natürlich sachlich diskutieren sollte.

Anonymous said...

Ich sehe in dieser "Debatte" vor allem "Opportunismus" (Lars Bern) und Gruppendenken bzw. "Korpsgeist" (Christian Stegbauer).

(Vgl. http://klimazwiebel.blogspot.com/2011/05/keep-out-or-can-public-participate-in.html?showComment=1305057858511#c5525826474019078193

sowie

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kalenderblatt/1061526/)

Bekomme ich noch eine klärende Antwort (siehe oben Nr. 9)?

(Siehe auch meinen obigen Kommentar (May 21, 2011 5:06 PM), der zur Zeit noch im Spamfilter steckt.)

namenlos

Werner Krauss said...

Anonymer namenlos #9 / #16 und #20, der nicht anonymous #1 ist: nein, Sie bekommen keine klärende Antwort. Zuviel Anonymität, zuviele links, zuviele Anspielungen - ich geh da lieber ein bißchen kapitulieren.

Anonymous said...

Werner, Ihre Reaktion ist mir unverständlich. Außerdem enttäuscht sie mich, weil ich der Meinung bin, stets freundlich und sachlich geblieben zu sein. Sowohl Anonymität (von meinem ersten Beitrag an zur Klimazwiebel habe ich einen Namen (namenlos) und diesen auch beibehalten) als auch Links sind doch OK. Ich möchte Ihre Anspielungen verstehen, aber kann nicht nachvollziehen, was Sie als möglicherweise unangemessene "Anspielungen" von mir aufgefasst haben. Ich möchte gerne klären, wieso Sie auf einmal abweisend sind und vor sachdienlichen Fragen kapitulieren.

namenlos

Werner Krauss said...

Namenlos, sehen Sie das mal so:

Letzte Woche wurde ich als Skeptiker bezeichnet und treue Leser waren schwer beleidigt. Diese Woche gibts was auf die Mütze, weil ich eine Polemik gegen einen Artikel geschrieben habe, der mit dem Steinzeit-Skeptiker Argument "Ökodiktatur" daherkommt.

Weltrettung bzw. Weltrettungsverhinderung ist natürlich eine bierernste Angelegenheit. Da muss jedes Wort auf die Waagschale gelegt und noch einmal genau betrachtet werden. Es wurde noch gar nicht erwähnt, dass das Wort "Vollkornspätzle" überhaupt nicht in dem faz-Artikel vorkommt - wäre das nicht auch noch ein gutes Argument zu beweisen, dass ich nicht recht habe und meine Polemik unfair ist?

ich hoffe auf Ihr Verständnis, namenlos - ich würde gerne meine Polemik einfach so stehen lassen. Dagegen polemisieren ist in Ordnung, aber die Möglichkeiten sie zu diskutieren sind begrenzt - bzw. der zu erwartende Gewinn daraus.
Ich hoffe auf Ihr Verständnis!

Anonymous said...

Werner (#22), danke für den Versuch einer Annäherung. In der politisch rechten Ecke ("ihr": s.o.), oder auch in einer BWL- oder sonstigen Wirtschafts-Ecke und in einer nicht nachhaltigen fühle ich mich übrigens gar nicht wohl -- aber in einer linken oder grünen Ecke sehe ich zusehends auch erhebliche bis nahezu unüberwindliche Probleme.

Polemik ist zum Beispiel auch einem J. Swift oder einem J. G. Herder gut vertraut gewesen (vgl. Klimazwiebel an anderen Orten) -- und diese schätze ich zuweilen auch. Polemiken sind eine Sache, Behauptungen (zum Beispiel über andere), die schwer oder gar nicht nachzuvollziehen sind, eine andere; darum will ich als gewissenhafter Leser zum Beispiel immer noch erfahren, was es mit dem Zitat von Storch und dessen Kontext auf sich hat.

Haben Sie Henryk M. Broder in der Welt-online zur "Großen Transformation" gelesen? (20.05.2011):

"Aber damit hat es sich noch lange nicht. Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) hat soeben einen 'Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation' vorgelegt, der langfristig das Grundgesetz aushebeln könnte. Damit die Große Transformation gelingt, schlägt der WBGU nicht mehr und nicht weniger als einen 'Gesellschaftsvertrag zur Innovation' vor, der 'durch einen neuartigen Diskurs zwischen Regierungen und Bürgern innerhalb und außerhalb der Grenzen des Nationalstaats' geschlossen werden soll. Der Vorschlag hat eine geradezu orwellsche Dimension, liest sich allerdings wie der Entwurf eines Fünfjahresplans des ZK der KPdSU zum radikalen Umbau der bürgerlichen Gesellschaft."

Hui, demnach könnte das Grundgesetz langfristig ausgehebelt werden (wenn sich Schellnhubers Vorschlag zu einem "Zukunftsrat" durchsetzt?)? Und Broders Anspielung auf Orwell klingt irgendwie auch nach einem drohenden 1984.

An das Stück Die Nashörner von Ionesco (s.o.) wurde ich auch durch Ihre Polemik erinnert, Werner; in dem Drama sind es aber nicht "Saukerle", wie bei Ihnen, sondern es ist das "Saupack". Ausschnitt aus einem Dialog (Fischer Verlag 2009):

BEHRINGER [...] Genug! Genug! Saupack! Die Nashörner entfernen sich, Behringer droht mit der Faust in ihrer Richtung.
STECH ist sitzen geblieben Ich würde ihn ganz gerne kennenlernen, ihren Logiker. Wenn er mich über diesen besonderen und dunklen Punkt aufklären könnte ... Weiß Gott, mehr verlange ich doch gar nicht.
BEHRINGER indem er zum vorderen Fenster rennt Ja, ich werde ihn herbringen. Er wird mit Ihnen sprechen. Sie werden sehen, er ist eine außerordentliche Persönlichkeit. Am Fenster zu den Nashörnern Saupack! Droht mit der Faust.
STECH Lassen Sie sie laufen. Und seien Sie höflicher. So spricht man nicht zu Lebewesen.

Den letzten Satz Ionescos Dramas spricht der Held der Weltrettung, Behringer, zu den "grün-ledrigen" Wesen: "Ich kapituliere nicht!"

namenlos

ghost said...

interessant, in Bremen haben nun mehr Menschen grün als CDU gewählt. Die FDP existiert zurecht und leider nicht mehr. (Ob es daran liegt, dass die FDP die einzige Partei in D ist, die sich gern mit "Klimaskeptikern" umgibt? ;))

Also wird das Öko-Grünen-Bashing wohl noch eine Stufe höher gedreht und weiter gekreischt.

Meanwhile: es ist ja wieder ein neues Papier zur Erwärmung der Tiefssee in den Medien. Kann man nun immer mehr die "Lücken" in der Energiebilanz der Erde schließen?

Anonymous said...

@Werner Krauss

Ich habe meinen Beitrag leider vorher nicht mit meinem Pseudonym Yeph gekennzeichnet. Sorry.

Uns Luxemburgern fällt auf, dass "die Deutschen" immer noch mit PSmonstern auf den Autobahnen rasen, jedoch in Sachen Umweltschutz immer vorne mit dabei sind, wenn es darum geht die Freiheit anderer einzuschränken.

Die hysterische Reaktion auf Fukushima ist mir absolut unverständlich. Und aus alten Akten der Geheimdienste geht hervor, dass die damaligen Studentenrevolten (unserer Jugend)durchaus "kommunistisch untermauert" waren. Das hätten wir damals sicher auch nicht gegelaubt.

Dass es grünen Lobbyismus gibt und wie stark er im Gegensatz zur Industrie ist, zeigt uns die aktuelle Atomhysterie und die Erneuerbaren-debatte.

Das erinnert mich an den Spruch "Wieso Atomkraftwerke, bei uns kommt der Strom aus der Steckdose"?

Es prallen verschiedene fanatische Ideologien aufeinander und die Debatte erinnert mehr an Micky Maus als an eine intelligente Auseinandersetzung.

Vor 10-15 jahren dachte ich noch wir würden den Regenwald retten können. Heute sehe ich dass der grüne Fanatosmus sogar das regelrecht verhindert hat. Würde man antsatt zu bedauern dass die Welt nicht so dreht wie man will, und daurend andere vor den Kopf zu stossen, die Probleme gemeinsam anpacken, ohne Fanatismus und Diffamationsarien, würde man wohl auch etwas erreichen imho.

MfG
Yeph

Freddy Schenk said...

ghost said...
interessant, in Bremen haben nun mehr Menschen grün als CDU gewählt. Die FDP existiert zurecht und leider nicht mehr.

Dabei ist aber zu beachten, dass die Wahlbeteiligung sehr niedrig war. Da die Wähler von Grün zumindest aktuell ggf. mehr emotional dabei sind, gehen diese aber wählen. Es wurde noch gezeigt, dass die Grünen die absolute Mehrheit der Stimmen haben bei:
(a) Akademikern (inkl. FH)
(b) Selbständigen (Teilmenge von a?)
(c) Erstwählern
Quelle: ARD

Anonymous said...
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Hans von Storch said...

#27, zudem anonym, war nun wirklich zu simpel für dieses blog. Einfach doof.

Freddy Schenk said...

Schlagzeile heute im Spiegel:
Atomausstieg - RWE-Boss warnt Merkel vor Ökodiktatur

Wenn wir nicht akzeptieren, dass (Klima-)Wissenschaftler Politik machen (weil sie u.a. kein Mandat haben), warum wird das eigentlich bei der Energie- oder Autolobby akzeptiert? Oder sollte man eher sagen, praktiziert? Bei der Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes 2005 stellte sich ja z.B. heraus, dass Papiere zur Reform des Wirtschaftsgesetzes, die offiziell aus den Einrichtungen des Bundes kamen, das Fax-Kennzeichen der Eon-Tochter Ruhrgas trugen...

Klimaschutzgesetze wurden bisher immerhin noch nicht mit dem Briefkopf des PIK...

Freddy Schenk said...

Zwei Zitate sind recht bezeichnend:

Die Bundesregierung solle keine fixen Termine für eine Zukunft nennen, "in der keiner der heutigen Entscheider noch regieren wird".

Der RWE-Boss [...] stellte in Frage, ob dadurch [Energiewandel] "der wirtschaftliche Erfolg generiert werden kann, der für wirtschaftliche Stabilität, möglicherweise sogar für unsere Demokratie nötig ist".

Anonymous said...

ghost fragt:

"es ist ja wieder ein neues Papier zur Erwärmung der Tiefssee in den Medien. Kann man nun immer mehr die "Lücken" in der Energiebilanz der Erde schließen?"

Die "Lücken" können meiner Ansicht nach noch für längere Zeit nicht einmal annähernd geschlossen werden. In den nächsten Jahren werden aber -- wenn wir so weitermachen wie bisher -- fast zehn Prozent der Tiefsee erforscht sein.

namenlos